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Aufruf: Fotos der NS-Deportationen gesucht

Porta Westfalica -

https://www.hallo-luebbecke.de/data/Bildarchiv/2026/202603_Marz/20260329_hallo_minden_kz_gedenkstatte_prta_Fundort_Zigarrenbox.jpg

Hier wurden Fotos in einer Zigarrenbox gefunden. Das ist eine typische Auffindesituation für diese und andere Fotos. Quelle: KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica e.V.

Gemeinsamer Aufruf des Forschungs- und Dokumentationsprojektes #LastSeen und der KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica – Fotos der NS-Deportationen gesucht.

Das mehrfach ausgezeichnete Forschungs- und Dokumentationsprojekt #LastSeen arbeitet seit 2021 daran, die fotografische Überlieferung von NS-Deportationen zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Am 12. März 2026 war der stellvertretende Leiter des Projektes, Dr. Christoph Kreutzmüller, in Porta Westfalica zu Gast und stellte seine Arbeit im Bürgerhaus vor. Aus diesem Vortrag ist nun gemeinsam mit der KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica ein Forschungsaufruf entstanden. 

Zwischen 1938 und 1945 wurden Hunderttausende Menschen aus dem Deutschen Reich und den besetzten Gebieten in Ghettos sowie in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Diese Transporte wurden oft fotografisch dokumentiert. Viele der bekannten Deportationsaufnahmen entstanden durch Nationalsozialisten – sei es zu Verwaltungszwecken oder aus propagandistischen Gründen, andere Bilder entstanden mit großem Abstand als Akt des Widerstandes. Für zahlreiche der abgebildeten Männer, Frauen und Kinder sind diese Fotos die letzten fotografischen Zeugnisse ihres Lebens, bevor sie deportiert und ermordet wurden. Neben den Deportationen, die Menschen aus der Region vor allen Dingen nach Riga aber auch nach Warschau und Theresienstadt gebracht hat, hatte die Eisenbahnstrecke durch die Porta Westfalica auch noch eine weitere Bedeutung. 

Dr. Christoph Kreutzmüller: „Viele Deportationszüge aus dem Westen sind mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Porta gerollt. Es ist daher sehr gut möglich, dass hier in der Region nicht nur bisher unbekannte Bilder der Deportationen vor Ort, sondern auch Fotos von diesen Zügen in Archiven oder privaten Sammlungen existieren.“

Das #LastSeen-Projektteam ruft gemeinsam mit der KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte dazu auf, die Suche nach diesen Fotografien noch einmal zu intensivieren, in Archiven, Museen, Verwaltungen, Kommunal-, Unternehmens- und Privatarchiven. Und nicht zuletzt auch in privaten Fotoalben. Der Aufruf richtet sich dabei ausdrücklich an alle Interessierten, die sich mit Fotografien aus den Jahren 1933 bis 1945 aktiv beschäftigen oder die bisher auch nur unbewusste Berührungspunkte mit Fotos aus der Zeit, beispielsweise in der Familie, hatten. Ziel des Projekts #LastSeen ist es nicht nur, über diese Bilder zu informieren, sondern auch das Interesse und die Mitwirkung der Öffentlichkeit zu fördern und über die Bilder ins Gespräch zu kommen. Der Arbeitskreis für Heimatpflege hat so z.B. herausgearbeitet, dass die Deportation der jüdischen Bad Oeynhauser*innen vom Südbahnhof abgewickelt wurde. Eine Zeitzeugin berichtet, dass da viele zugeschaut hätten. Ist vielleicht in der Bahnhofsstraße auch fotografiert worden? 

„Natürlich ist die offizielle fotografische Dokumentation in Archiven von großem Interesse“, so Thomas Lange, Geschäftsführer der KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica, „wie groß das Wissen über und das Interesse an Fotos aus der Zeit ist, zeigen die zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen zu Identifikation von Fotos in Archiven, die großen Zuspruch finden. Auf einen ähnlichen Effekt hoffen wir auch hier, um gleichzeitig das Wissen zu den NS-Verbrechen vor Ort verbessern und das Projekt #LastSeen insgesamt zu unterstützen.“

Haben Sie vielleicht Fotos von Zügen oder von Menschen, die schwer bepackt durch Straßen gehen, auf einem Marktplatz oder gar an einem Gleis stehen – vielleicht sogar mit dem gelben Stern markiert? 

Sind sie sich unsicher, was genau auf dem Foto abgebildet ist? 

Fotografieren sie das Bild ab und schicken es an:
c.kreutzmueller@fu-berlin.de oder thomas.lange@gedenkstaette-porta.de

Quelle: KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica e.V.

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