Ehrenamt im Wandel: Gemeinsam Zukunft gestalten
Minden-Lübbecke -

Ehrenamt verändert sich und mit ihm die Anforderungen an Vereine, Initiativen, Kommunen und Verwaltung. Wie kann Engagement auch künftig attraktiv bleiben? Was brauchen junge Menschen, um Verantwortung zu übernehmen? Und wie können Vereine bei notwendigen Veränderungen unterstützt werden? Diese Fragen standen beim Ehrenamtstag des Kreises Minden-Lübbecke in der Alten Gießerei in Espelkamp im Mittelpunkt.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Fabian Breuer vom Kreis Minden-Lübbecke. Bereits zum Auftakt wurden die rund 100 Teilnehmenden mit einer digitalen Mentimeter-Abfrage aktiv einbezogen. Dabei zeigte sich, wie erfahren und vielfältig das Publikum zusammengesetzt war: 41% Teilnehmende bezeichneten sich als ehrenamtlich Engagierte, 38% als Vereinsvorstände. Hinzu kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen und Verwaltung, hauptamtlich Tätige, Organisationen und Verbänden sowie weitere Gäste.
Auch mit Blick auf die Dauer des Engagements zeigte sich eine große Erfahrung im Raum: 49% der Antwortenden engagieren sich bereits seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich. Weitere 18% sind seit sechs bis zehn Jahren und 22 % seit zwei bis fünf Jahren aktiv. Die Abfrage machte damit gleich zu Beginn deutlich: Der Ehrenamtstag brachte viel Erfahrung und langjähriges Engagement zusammen und stellte gleichzeitig die Frage, wie diese Erfahrung für die Zukunft des Ehrenamts genutzt und weitergegeben werden kann.
„Junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen“
Einen besonderen Blick auf die Perspektive junger Engagierter warf Jan Schmale. In seinem Impuls „Ehrenamt hat viele Gesichter“ berichtete er aus seinen Erfahrungen in Dorf, Sportverein und Kinder- und Jugendarbeit. Seine zentrale Botschaft: Junge Menschen wollen nicht nur mithelfen, sondern Verantwortung übernehmen und eigene Ideen gestalten. Dafür braucht es Vertrauen und echte Gestaltungsmöglichkeiten. „Wenn wir wollen, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen, müssen wir irgendwann den Mut haben, Verantwortung abzugeben“, so Schmale.
Gleichzeitig sei Gemeinschaft ein entscheidender Faktor für langfristiges Engagement. Menschen kämen wegen anderer Menschen und blieben wegen der Gemeinschaft.
Unterstützung für Vereine: Ehrenamt 4.0
Dass Veränderung für Vereine nicht zur zusätzlichen Belastung werden darf, wurde auch bei der Vorstellung des Projekts „Ehrenamt 4.0 – Coachingnetzwerk im Mühlenkreis“ deutlich. Das vom Bündnis Ländlicher Raum im Mühlenkreis e. V. getragene LEADER-Projekt läuft von 2026 bis 2028. Ziel ist es, ehrenamtliche Strukturen zu stärken und zukunftsfähig zu machen. Dafür entsteht ein kreisweites Netzwerk qualifizierter Ehrenamts-Coaches.
Die Coaches unterstützen Vereine bei konkreten Herausforderungen, etwa bei der Gewinnung neuer Engagierter, der Vorstandsarbeit, Kommunikation, neuen Projekten oder der Entwicklung langfristiger Perspektiven. Dabei geht es nicht um fertige Lösungen: Die Coaches begleiten Vereine, stellen Fragen, geben Impulse und entwickeln gemeinsam mit den Engagierten eigene Lösungswege.
Vereine für die Praxisphase gesucht
Die nächsten Schritte sind bereits konkret: Die angehenden Ehrenamts-Coaches möchten das Gelernte direkt in der Praxis anwenden. Dafür werden Vereine, Initiativen und ehrenamtliche Gruppen aus dem Mühlenkreis gesucht, die eine konkrete Herausforderung mitbringen und Lust haben, sich auf einen Coachingprozess einzulassen.
Gemeinsam mit den Coaches können Anliegen betrachtet, neue Perspektiven entwickelt und konkrete nächste Schritte erarbeitet werden. Die Praxisphase bietet damit nicht nur den Coaches die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, sondern auch Vereinen die Chance, eine aktuelle Herausforderung mit professioneller Begleitung anzugehen.
Interessierte Vereine und Initiativen können sich beim Bündnis Ländlicher Raum im Mühlenkreis melden. Weitere Informationen zum Projekt, zur Praxisphase und zum Coachingnetzwerk gibt es unter www.blr-ev.de.
Zukunftstalk „Ehrenamt 2030“
Zum Abschluss des Abends richtete der Zukunftstalk „Ehrenamt 2030“ den Blick nach vorne. Unter der Moderation von Rainer Riemenschneider diskutierten Landrat Ali Doğan, Bürgermeister Dr. Henning Vieker, Fabio Guzzo von den Digital Chamäleons, Jan Schmale, Jana Fink von „Demokratie leben!“ Espelkamp sowie Dr. Pia Steffenhagen-Koch vom Bündnis Ländlicher Raum im Mühlenkreis über die Zukunft des Engagements.
Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie junge Menschen stärker beteiligt und für Engagement gewonnen werden können, wie Digitalisierung und Veränderung zur Entlastung beitragen können und welche Rolle Kommunen, Verwaltung und Politik bei der Schaffung guter Rahmenbedingungen spielen.
Dabei wurde deutlich: Die Zukunft des Ehrenamts hängt nicht allein davon ab, mehr Menschen für bestehende Strukturen zu gewinnen. Auch die Strukturen selbst müssen sich weiterentwickeln. Vereine brauchen Freiräume für Veränderung, neue Formen der Beteiligung und Unterstützung bei konkreten Herausforderungen.
Gemeinsam Zukunft gestalten
Der Ehrenamtstag hat gezeigt, wie vielfältig die Perspektiven auf das Ehrenamt sind und zugleich, wie viele gemeinsame Themen es gibt. Nachwuchsgewinnung, Entlastung, Wertschätzung, Flexibilität und gute Rahmenbedingungen werden die Entwicklung des Engagements auch in den kommenden Jahren prägen.
Der Abend endete deshalb nicht mit fertigen Antworten, sondern mit dem gemeinsamen Blick nach vorn: Wie wollen wir das Ehrenamt im Mühlenkreis 2030 gestalten – und was können wir heute dafür tun? Mit dem Coachingnetzwerk „Ehrenamt 4.0“ folgt nun ein konkreter nächster Schritt: Vereine, Initiativen und ehrenamtliche Gruppen sind eingeladen, sich für die Praxisphase der Ehrenamts-Coaches zu melden und gemeinsam an einer konkreten Herausforderung zu arbeiten.
Weitere Informationen zum Ehrenamtstag und zum Projekt Ehrenamt 4.0 gibt es hier.
Quelle und Foto: Kreis Minden-Lübbecke
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