Durch schnelle Hilfe zurück ins Leben
Minden-Lübbecke -

Kerstin und Bernhard Gerdes mit den beiden registrierten Ersthelfenden Andreas Koldehoff und Kerstin Bornemeier bei einem Besuch in der Reha. Foto: D. Selle / Kreis Minden-Lübbecke
Eigentlich wollte Bernhard Gerdes nur mit seinen Enkeln draußen im Garten Fußball spielen, doch plötzlich kippt er mitten im Spiel um: Herzstillstand. Erinnerungen hat er an diesen Tag Mitte Januar in Porta Westfalica-Hausberge kaum noch, seine Familie dafür umso eindrücklicher. Während seine Schwiegertochter den Notruf 112 wählt, beginnen seine Frau und ihr Schwiegersohn mit der Herzdruckmassage. Beide haben medizinische Vorerfahrung und wissen, dass bei einem Herz- Kreislaufstillstand jede Minute zählt. Wer nicht reanimiert wird, stirbt. Wer zu spät Hilfe bekommt, kann überleben – allerdings mit schweren und bleibenden Schäden.
Schnelle Hilfe bekommt Bernhard Gerdes an diesem Tag nicht nur durch seine Familie und den Disponenten der Kreisleitstelle, sondern auch durch Ersthelfende der App der Region der Lebensretter. Denn zeitgleich zu Rettungswagen und Notarzt werden über die Kreisleitstelle im Feuerwehrtechnischen Zentrum in Hille in solchen Fällen auch registrierte Ersthelfende in unmittelbarer Nähe des Einsatzortes alarmiert. Sie können schon vor den Rettungskräften vor Ort sein und mit der professionellen Reanimation beginnen. Im Fall von Bernhard Gerdes waren das, neben einem weiteren Ersthelfer, Andreas Koldehoff und seine Schwägerin Kerstin Bornemeier. Beide arbeiten selbst in medizinischen Berufen und hatten sich aus Überzeugung für die App registriert. „Ich habe gerade mit meinen Kindern gespielt, als der Alarm ging. Als ich neun Minuten später vor Ort war, lief schon eine Laienreanimation durch die Familie und ich konnte als Arzt an den Kopf des Patienten gehen und ihn intubieren, beatmen und die Reanimation weiter anleiten.“
Als zweite Helferin vor Ort löste Kerstin Bornemeier den Schwiegersohn von Bernhard Gerdes bei der Herzdruckmassage ab. „Ich war in diesem Moment sehr dankbar über die professionelle Hilfe und die Ablösung, dass ich Abstand gewinnen konnte. Denn ich musste das Ganze erst einmal selbst realisieren“, sagt Kerstin Gerdes als Ehefrau. Der Disponent der Kreisleitstelle, der – wie bei Notrufen üblich - in der Leitung geblieben war, um die Reanimation anzuleiten und um für die anrufende Person da zu sein bis Hilfe vor Ort ist, hatte ihr bereits gesagt, dass bald Ersthelfende bei Familie Gerdes im Garten ankommen werden.
Die minutenlange Reanimation und der Einsatz eines Defibrillators holten Bernhard Gerdes zurück ins Leben. Er selbst wachte fünf Tage später auf der Intensivstation auf, wo ihm gesagt wurde, dass er ohne die schnelle Hilfe seiner Familie und der registrierten Ersthelfenden nicht überlebt hätte. Und auch das ist in so einem Fall leider keine Selbstverständlichkeit: Er hat diesen Herzstillstand ohne neurologische Folgen überlebt.
Das Ehepaar ist den Ersthelfenden und der App der Region der Lebensretter sehr dankbar. „Nur 12 Prozent der Menschen, denen das außerhalb eines Krankenhauses passiert, kommen wieder ins Leben zurück. Ich habe unglaubliches Glück gehabt und verdanke auch der App der Region der Lebensretter mein Leben. Ich kann deshalb jeden, der sich registrierten kann, nur dazu aufrufen, das zu tun“, sagt Bernhard Gerdes bei einem gemeinsamen Treffen in der Rehaklinik. „Viele Kolleginnen und Kollegen aus medizinischen Berufen retten in Kliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen jeden Tag Leben. Ich möchte sie alle motivieren, sich bei der App anzumelden. Die App funktioniert und sie rettet möglicherweise auch den Menschen aus der eigenen Nachbarschaft das Leben“, ergänzt Andreas Koldehoff.
Die App der Region der Lebensretter läuft im Kreis Minden-Lübbecke seit Anfang Oktober 2025. Stand jetzt haben sich gut 830 Ersthelfende registriert. Für eine gute Abdeckung des gesamten Kreises braucht es etwa 1.200. Je mehr registriert sind, desto höher ist die Chance, dass sich jemand in der Nähe des Einsatzortes befindet und schnell vor Ort sein kann.
Registrieren kann sich jede Person, die regelmäßig in der ersten Hilfe rezertifiziert wird – zum Beispiel medizinisches Personal, Feuerwehrkräfte, Mitarbeitenden von Alten- und Pflegeheime oder auch betriebliche Ersthelfende. Mehr Informationen zur App der Region der Lebensretter und die Voraussetzungen finden Sie auf der Homepage des Kreises Minden-Lübbecke https://www.minden-luebbecke.de/Startseite/Region-der-Lebensretter/
Quelle: Kreis Minden-Lübbecke
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