Für bessere Personalgewinnung ein eigenes Image aufbauen
Minden -

Viele praktische Tipps und Empfehlungen dazu, wie Unternehmen besser Fachkräfte gewinnen können, hatte der Referent des jüngsten Unternehmerfrühstücks der Stadt Minden und der MEW (Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft) in seinen rund einstündigen Vortrag „verpackt“. Die rund 70 Zuhörer im Saal des „Victoria Hotels“ verfolgten den Impulsvortrag von Dr. Nico Rose gespannt und machten sich teilweise auch fleißig Notizen. Denn der Beststeller-Autor und Experte für positive Psychologie sprach zum Thema „Arbeitgeber als starke Marken: der entscheidende Vorsprung im Rennen um die besten Talente“.
Bürgermeister Michael Jäcke begrüßte die Teilnehmer und verwies auf die derzeit großen Probleme in Folge der steigenden Energiepreise, die die Unternehmen stark beschäftigen und auch belasten. Dennoch sei das Thema Personalgewinnung – auch mit Blick auf die demografische Entwicklung - „ein Dauerbrenner“, so Jäcke in der Anmoderation auf den folgenden Vortrag. Nicht nur Verwaltungen - auch Unternehmen - hätten zunehmend mehr Probleme überhaupt geeignetes Personal zu finden. Offene Stellen könnten häufig nicht mehr im ersten Verfahren besetzt werden.
Nico Rose fand gleich am Anfang lobende Worte für die neue Fachkräftekampagne der städtischen Wirtschaftsförderung und der Öffentlichkeitsarbeit „Minden + DU“. Die Kampagne, die über Außenwerbung auch in Großstädten wie Osnabrück, Bielefeld, Hannover und Hamburg zu sehen ist und über Social-Media sogar in Berlin läuft, wird von mehreren Mindener Unternehmen unterstützt. Die Transparente der Kampagne seien ihm an der Weserbrücke ins Auge gefallen, berichtete Rose gleich zu Beginn. Im Saal des Victoria Hotels gab es dann ein unerwartetes Wiedersehen mit „Minden + DU“ auf sechs „Rollups“, wo Minderinnen und Mindener von ihrem Plus für Fachkräfte, Familien, Auszubildende, Fortfahrende und Heimkehrende erzählen.

Daran anknüpfend hob der Referent hervor, dass nicht nur die Unternehmen selbst als Arbeitgeber attraktiv sein müssen und ein eigenes Image aufbauen sollten, sondern dass auch Faktoren wie die Unternehmenskultur, die Lebensqualität einer Stadt/Region, gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und auch Wohnpreise junge Fachkräfte überzeugen können. „Da haben Sie hier in Minden echte Vorteile“, so Rose. Eine große Rolle spiele mit zunehmenden Alter die so genannte „Work-Life-Balance“. So seien große Städte oft für junge Menschen interessant. Im weiteren Leben spielten dann aber Faktoren wie Familie und schönes Wohnen eine große Rolle. Da kommen dann mittelgroße Städte ins Spiel, die mit niedrigeren Lebenshaltungskosten, guten Freizeitangeboten und viel Natur drum herum an Anziehungskraft gewinnen.
Rose wies darauf hin, dass viele Unternehmen – teilweise ohne ihr eigenes Wissen – auf Portalen wie „Kununu“, wo sie als Arbeitergeber bewertet werden können, automatisch gelistet sind. „Sie sollten auf Ihr Profil schauen und dieses gegebenenfalls bearbeiten“, riet der Experte. Auch sollten Einträge auf Facebook, Instagram und TikTok gecheckt werden. Effektiv für die Mitarbeitergewinnung können auch Karriereportale wie LinkedIn und Xing sein.
Ebenfalls wichtig: Eine Karriereseite, eine eigene allgemeine E-Mail für Bewerbungen/Anfragen und auch möglichst einen Ansprechpartner mit Foto im Internet zu haben. „Menschen wollen Kontakt zu Menschen herstellen. Ein Gesicht zu haben, gibt mehr Vertrauen“, so Rose weiter. Und: Wenn Bewerbungen per E-Mail eingehen, sei es sinnvoll, eine automatische Rückantwort zu entwerfen und mit Absagen nicht zu lange zu warten. Das gebe den Bewerberinnen und Bewerbern mehr Planungssicherheit.
Große und weltweit aktive Unternehmen haben weniger Probleme genügend Bewerbungen zu bekommen, sondern eher viel Aufwand mit der Fülle. Kleinere Unternehmen dagegen, die keine marktrelevanten Produkte vertreten, herstellen oder Dienstleistungen anbieten, müssen sich erst bekannt machen und sollten ein eigenes Profil entwickeln, rät der Experte. Punkten können solche Unternehmen in jedem Fall mit guten Internetauftritten und kompakten Informationen auf der Karriere-Seite. „Geben Sie hier zum Beispiel einen Überblick darüber, wie ein Bewerbungsverfahren abläuft oder stellen Sie Arbeitsplätze in kurzen Videos vor“, lautete ein weiterer Tipp von Rose.

Große Aufmerksamkeit sollten Unternehmen auch ihrem Personalstamm und den Leistungsträgern widmen. „Wenn diese Spaß an der Arbeit haben, werden sie das auch weitererzählen. Sie können diese auch als Multiplikator in den sozialen Netzwerken einsetzen, wenn sie dazu bereit sind“, so Dr. Nico Rose. Er rechnete den Teilnehmern vor, was es kosten kann, eine Stelle neu zu besetzen, wenn ein Mitarbeitender gekündigt hat. Es könne unter Umständen bis zu drei Jahre dauern, eine neue, qualifizierte Kraft zu finden und einzuarbeiten. Das wirke sich natürlich auch belastend auf das vorhandene Team aus.
Besser: „Sie arbeiten daran, ihr wertvollstes Kapital zu halten oder auch gute Mitarbeitende, die sich anders orientiert haben, wiederzuholen.“ Wert sollte in jedem Fall auch auf eine gute Führungsqualität gelegt werden. Die meisten Mitarbeiter zeigen zunächst weniger Leistung - „quiet quitting“ genannt - oder sie kündigen gar wegen schlechter Führung, weiß Rose. Da lohne sich ein Führungskräfte-Coaching immer.
Die folgenden Tipps für Unternehmen mit Standortnachteilen kamen besonders gut an: 1. Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken. 2. Karriere-Optionen gemeinsam bereitstellen 3. Betreuungs- und Freizeitinfrastruktur gemeinsam bereitstellen und 4. einen gemeinsamen Bewerberpool bilden. Das trug schon direkt im Anschluss an den Vortrag „Früchte“. Einige Teilnehmer schlossen sich spontan zusammen, um über genau dieses in Kürze zu sprechen.
Das Unternehmerfrühstück ist eine zweimal im Jahr stattfindende Veranstaltung der Wirtschaftsförderung der Stadt Minden und der MEW. Sie bietet die Gelegenheit, regelmäßig mit Verwaltung, Verbänden und der Politik zu aktuellen Themen ins Gespräch zu kommen. Dabei sollen Entwicklungen diskutiert, Ideen ausgetauscht und neue Impulse gesetzt werden.
Quelle und Fotos: Stadt Minden
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